Bedrohung, Diversität und Urbanität in Johannesburg
Dissertationsprojekt
Teil des Forschungsprojekts Bedrohung und Diversität im urbanen Kontext. Ethnisch heterogene und ungleiche Stadtquartiere im globalen Süden, SFB 923 Bedrohte Ordnungen , Universität Tübingen.
- PI: Prof. Dr. Boris Nieswand (Universität Tübingen)
- Projektmitarbeiter: Dr. Damián Martínez (Universität Tübingen), Manuel Dieterich (Universität Tübingen)
- Projektlaufzeit: 2019-2023
Im Zentrum meines aktuell laufenden Promotionsprojekts stehen die Auswirkungen alltäglicher Bedrohungsdiagnosen auf die Beziehungen diverser und ungleicher Bevölkerungsgruppen in ethnisch und sozial heterogenen Stadtteilen. Ein zentrales Ergebnis ist, dass unterschiedliche Bedrohungen jeweils nach einer Eigenlogik operieren, die in spezifischer Weise zu einer Re-konfiguration der lokalen Diversitätskonfigurationen führen. Die lokalen figurativen Grenzziehungsprozesse verlaufen also je nach Bedrohung entlang unterschiedlicher sozialer Differenzkategorisierungen. Die boundary-making Prozesse sind stark mit moralische Bewertungen verwoben, was sich etwa darin äußert, dass die jeweils eigene Gruppe als „gut“ oder „richtig“ und die anderen als „schlecht“ oder „problematisch“ wahrgenommen werden. Diese Tendenz zur Moralisierung und Polarisierung ergibt sich aus der existenziellen Qualität von Bedrohungen. Für Inter-Gruppenbeziehungen bedeutet dies, dass sowohl ihre Veränderbarkeit als auch ihre Beharrlichkeit in und durch Bedrohungen und den damit einhergehenden Moralisierungen sichtbar werden. Die Betrachtung der verschiedenen Bedrohungsfigurationen ermöglicht somit die Erfassung sozialen Wandels auf der Nachbarschaftsebene.
Die untersuchte Nachbarschaftskonstellation in Johannesburg befindet sich in Krugersdorp im Westen der Stadt. Mindalore, das vergleichsweise wohlhabendere Viertel, wird überwiegend von Menschen aus der unteren Mittelschicht bewohnt, während im Gegensatz dazu Soul City eine informelle, slumartige Siedlung ist. Die beiden Nachbarschaften sind durch ein karges Ödland getrennt bzw. miteinander verbunden, auf dem so genannte „zama zama“ illegal nach Gold schürfen. Die lokale Bedrohungskommunikation dreht sich um sehr unterschiedliche Bedrohungstopoi wie Kriminalität, die illegalen Goldschürfer sowie involvierte Banden, die Angst der Weißen Afrikaaner vor Identitätsverlust, die Gesundheitsgefährdung durch Umweltverschmutzung aufgrund des Goldabbaus oder Korruption und ihre Folgen. Um der Forschungsfrage nach den Auswirkungen von Bedrohungen auf die urbane Diversitätskonfiguration nachzugehen, untersuche ich die unterschiedlichen lokalen Bedrohungskommunikationen und wie diese jeweils die Inter-Gruppenbeziehungen re-konfigurieren.
